Von der Erfindung der Fotokopie
Seit Anbeginn der Schrift gab es immer nur eine Möglichkeit, Duplikate von handschriftlichen Texten anzufertigen: Abschreiben!
Darüber ärgerte sich der Physiker Chester Carlson noch in den 30iger Jahren des letztens Jahrhunderts, als er im Patentbüro einer kleinen New Yorker Elektrofirma arbeitete. Er beschloss, dafür einen maschinellen Prozess zu entwickeln und stieß auf das Phänomen der Fotoleitfähigkeit der Elemente Schwefel und Selen. Zunächst experimentierte er damit in der Küche seines kleinen Appartements, bis die Nachbarn, die den dauernden Schwefelgeruch nicht mehr ertragen konnten, ihn zum Umsiedeln in ein kleines, provisorisches Labor zwangen. Hier gelang ihm, zusammen mit dem deutschen Physiker Otto Kornei, am 22. Oktober 1938 die erste „Xerografie“ (griechisch für „ trocken schreiben“) der Welt – nur fand sich zunächst niemand, der auch eine entsprechende Maschine bauen wollte.
Nach über 20 Absagen brachte ihn der Zufall 1944 mit Joe Wilson, dem Chef der kleinen Haloid-Company zusammen. Die Firma Haloid war in Rochester im Norden des Staates New York ansässig, verkaufte eigentlich Fotopapier und hatte mit einem schwindenden Marktanteil zu kämpfen - also suchte Joe Wilson nach einer neuen Geschäftsidee. Nach einer rudimentären Vorführung des Prinzips kaufte er von Carlson 1947 das Patent und brachte 1949 den ersten Fotokopierer, das Modell „A“ auf den Markt: eine meterlange Anlage, die nach 39 manuellen Einzelschritten in 3 Minuten 1 Kopie herstellte – ein Flop!
Aber Wilson und Carlson - er blieb Berater der Firma Haloid - ließen sich nicht entmutigen, forschten und entwickelten weiter und konnten 10 Jahre später den ersten Normalpapierkopierer der Welt, das Modell 914, vorstellen: immer noch ein tonnenschweres Monstrum mit gewaltigen Ausmaßen, das aber immerhin automatisch arbeitete und schon 6 Kopien in der Minute ausgab.
Die neue Maschine wurde endlich auch ein wirtschaftlicher Erfolg, die Haloid-Company benannte sich 1961 um in XEROX und hatte 1969 in amerikanischen Büros gegen eine jährliche Leihgebühr von je 95 Dollar schon 200.000 Stück der neuen Kopiermaschinen untergebracht.
Die europäische Antwort auf die amerikanische Vorlage entwickelte über Generationen die holländische Apothekerfamilie Van der Grinten aus Venlo.
Die Van der Grintens verstanden sich von jeher als Naturwissenschaftler und produzierten ab1871 einen erfolgreichen Lebensmittelfarbstoff für die damals entstehenden Margarinefabriken. Der neue Farbstoff wurde eingesetzt, um die eigentlich weißen Fette als „Butterersatz“ an die Kundschaft zu bringen und die Van der Grintens legten so den wirtschaftlichen Grundstock für ihre weiteren Unternehmungen. Ab 1918 nutzten sie ihre Kenntnisse über Pigmente für die Entwicklung von Materialien für Blaupausen und konnten 1930 ein komplett eigenes System, welches erstmals ohne das Entwicklungsmittel Ammoniak auskam, erfolgreich im Markt etablieren.
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Das neue Verfahren kam unter dem Namen Océ auf den Markt, seinerzeit die schlichte Abkürzung für „ohne Komponenten“, heute der Name des Konzerns. |
Der Weg zum Normalpapierkopierer führte weiter über Maschinen wie die „Retoce“, die Einzelblätter nach dem Lichtpausprinzip verarbeitete |
bis 1973 mit dem Modell Océ 1700, welches schon 25 Kopien pro Minute |
Damit war auch in Europa die Grundlage geschaffen für eine Revolution gutenbergschen Ausmaßes:
die Demokratisierung des Druckwesens, Publikationen für alle!
Was das alles mit uns zu tun hat?
Wir begannen 1980 – sozusagen als Kellerkinder – die neue Technologie auch in Lippe potenziellen Kunden anzubieten. Zu unserer damaligen Gründungsausstattung gehörte eine Lichtpausanlage und ein voluminöses Kopiergerät, welches noch nach einem fotografischen Verfahren mit Entwicklungsflüssigkeiten arbeitete. Die verschiedenen Belichtungszeiten ließen sich mit einem Drehknopf einstellen und es produzierte unter immensem Getöse 2 DIN A4-Kopien pro Minute. Außerdem verlangte es beschichtetes Spezialpapier, welches in Einheiten zu 20 Blatt eingelegt werden konnte und derart schwer war, dass ein mittlerer Auftrag heute mit dem Kran transportiert werden müsste….zusätzlich besaßen wir aber bald auch 2 Maschinen eben des Typs Océ 1700, die die vorher beschriebene Konstruktion schnell überflüssig machten. Natürlich hatten diese Geräte auch noch ihre Tücken: bei Mehrfachkopien musste ständig die Belichtung nachgeregelt werden und der Toner wurde noch mittels einer Art offenen Heizstrahlers auf dem Papier geschmolzen, was uns damals diverse Zimmerbrände bescherte…..und von automatischer Doppelseitigkeit konnte noch Jahre nicht die Rede sein, die ersten (gelegentlichen) Doppelseiten produzierten wir, indem erst die eine Seite kopiert, dann das gesamte Blatt mit Talkum eingepudert und zurück in die Maschine gesteckt wurde – stets in der Hoffnung, es jemals wieder zu sehen….
lang ist es her!
Insgesamt ein nicht immer einfacher, aber immer sehr spannender Weg bis zu der heutigen digitalen Maschinengeneration, die (fast) alles möglich macht, unseren Kunden durch die hohen Druckgeschwindigkeiten eine effiziente Auftragsabwicklung garantiert und gleichzeitig zuverlässige Spitzenqualität liefert!



